Was ist wichtig in der Klinik? (Wünsche)

Was ist wichtig in der Klinik? (Wünsche)


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Was ist wichtig in der Klinik?

Unsere Wünsche an das Klinikpersonal.


Der "Abschied vom Kind" wurde hierfür übernommen und ergänzt.

Wenn Eltern Abschied nehmen müssen, wissen sie oft nicht, wie sie sich ihrem toten Kind nähern sollen. Fehlen dann unterstützende Hinweise, verstreicht oft die einmalige Gelegenheit, sich vom Baby so zu verabschieden, wie es hilfreich sein kann, und wie man es sich im Nachhinein oft gewünscht hätte.

Hier in Kurzfassung nun unsere Erfahrungen, was wir "empfehlen", was wichtig ist, was hilfreich sein kann, wenn man sich von seinem Baby verabschieden muss:

  • Nehmen Sie den betroffenen Vater mit auf.
  • Bringen Sie die betroffenen Mütter bitte möglichst im Einzelzimmer unter.
  • Bringen Sie sie bitte nicht gemeinsam mit Schwangeren und/oder frischgebackenen Müttern mit (lebenden) Babys auf einem Zimmer unter.
  • Lassen Sie die Gebärende nicht ganz alleine auf dem Zimmer, sorgen Sie immer für Betreuung.

  • Bitte geben Sie den Eltern Zeit für alle anstehenden Entscheidungen!
  • Gewähren Sie diese Bedenkzeit auch bei frühen Verlusten.
  • Ermöglichen Sie den Eltern, aufgrund verschiedener Vorschläge ihre eigenen Entscheidungen zu treffen.

  • Bitte gehen Sie offen und ehrlich mit den Eltern um, erklären Sie ihnen, was abläuft und warum es so ist.

  • Weisen Sie die Eltern darauf hin, dass (bei frühen Verlusten) der Verzicht auf eine Ausschabung möglich ist, dass man der Natur ihren Lauf lassen kann.

  • Ermöglichen Sie auch für Frauen bei frühen Verlusten und bei stillen Geburten Hebammenbetreuung und einfühlsame Betreuung.

  • Fragen Sie, ob weitere Familienangehörige (Eltern, Freunde, Kinder) dabei sein möchten.

  • Fragen Sie die Eltern nach dem Namen des Sternenkindes und sprechen Sie über das Kind mit seinem Namen.
  • Bieten Sie den Eltern an, das Kind anzusehen, zu berühren, zu streicheln, an ihm zu riechen, es zu fotografieren, zu baden, zu wickeln, anzuziehen.

  • Formulieren Sie Fragen an die Eltern so, dass Angebote leicht mit einem "Ja!" angenommen werden können (positive Formulierung und Ermutigung, "Möchtest du...?", "Wollt ihr...?" usw.).
  • Ermutigen Sie die Eltern, alle Fragen zu stellen, alle Wünsche zu äußern, alle Gefühle, die da sind, rauszulassen, sagen Sie ihnen, dass nichts unnormal ist!

  • Lassen Sie den Eltern ganz viel Zeit für diesen einmaligen und unwiederbringlichen Abschied, es ist die einzige Zeit, die sie mit ihrem Kind verbringen können. Oft haben die Eltern im Nachhinein das Gefühl, dass die Zeit des Abschieds viel zu knapp bemessen war.

  • Ermutigen Sie die Eltern, den Abschied nach ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen zu gestalten.
  • Lassen Sie der Familie, den Eltern bitte Zeit, die sie alleine mit dem Baby verbringen können.
  • Geben Sie auch Familienangehörigen und Freunden (auch und vor allem Geschwistern, Großeltern, Paten) Gelegenheit zum Abschied.

  • Ermöglichen Sie den Eltern, viele eigene Fotos (nicht nur Polaroids) und Videoaufnahmen zu machen (alleine und mit der Familie, mit verschiedener Bekleidung, eingewickelt in ein Tuch, nackt, mal nur die Hand, ...) und erinnern Sie daran, dass ausreichend Filme und Akkus/Batterien vorhanden sind.

  • Fertigen Sie bitte eine Namenskarte mit allen Angaben des Sternenkindes zu Gewicht, Größe, Uhrzeit, Name der Hebamme,... an.
  • Nehmen Sie Fuß- und Handabdrücke, eine Haarlocke, legen Sie ein Namensbändchen dazu.

  • Holen Sie eine/n Seelsorger/in, wenn die Eltern damit einverstanden sind.
  • Weisen Sie darauf hin, dass eine Taufe oder Segnung möglich ist.

  • Ermöglichen Sie bitte den Eltern auch am nächsten Tag, ihr Baby (noch einmal) zu betrachten.

  • Lassen Sie den Eltern die Wahl, ob das Baby obduziert werden soll - oder nicht.

Geben Sie den Eltern Informationen zur Bestattung: Babys mit einem Geburtsgewicht ab 500 g "müssen" beerdigt werden.
  • Babys mit einem Geburtsgewicht unter 500 g können beerdigt werden.
  • Das Baby kann z.B im Lieblingsstrampler beerdigt werden.

  • Für kleinste Babys kann Puppenkleidung, speziell angefertigte Bekleidung für tote Kinder oder selbst gestrickte/genähte Kleidung verwendet werden.

  • Bitte erzählen Sie den Eltern, dass sie Erinnerungsstücke aufheben können, z.B. ein Seidentuch teilen und einen Teil ihrem Baby (bei der Bestattung) mitgeben können.

  • Sagen Sie den Eltern bitte, dass sie eine Zeitungsanzeige aufgeben und Geburts- und Todeskarten erstellen und verschicken können.
  • Stellen Sie eine kurze Sammlung schöner Gedichte und Verse für Zeitungsanzeigen bzw. Geburts- und Todeskarten zur Verfügung, weil die Standardvorlagen der Bestatter nicht immer "passen".

  • Geben Sie allen betroffenen Eltern ein Infoblatt mit
  • umfangreichen Hilfsangeboten (Buchtipp: "Gute Hoffnung - jähes Ende" von Hannah Lothrop)
  • Internetadressen (z.B. www.muschel.net) und
  • regionalen Ansprechpartner/innen (siehe "Wartezimmerbroschüre").

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass alle Menschen, die in direkten Kontakt mit trauernden Eltern kommen können (Hebammen, Ärzt/innen, Krankenschwestern, Pfleger, Sekretärinnen, Pförtner), etwas über den Umgang mit Betroffenen wissen.

  • Achten Sie bitte sehr auf Ihre Wortwahl; viele vermeintlich tröstliche Worte verletzen oft zusätzlich ("Negativ-Liste" mit Floskeln, die nicht hilfreich sind, wird noch zur Verfügung gestellt).

  • Bieten Sie den Eltern an, sich auch nach der Entlassung zu melden, wenn sie Fragen haben oder reden möchten.


Der *Abschied vom Kind* der Eltern aus der *Muschel* richtet sich an alle Eltern nach Fehlgeburt, Totgeburt, Frühgeburt, SIDS (plötzlichem Säuglingstod), nach medizinisch indiziertem Schwangerschaftsabbruch und beim Tod des Kindes im ersten Lebensjahr:
http://www.muschel.net/files/download/abschied_vom_kind.pdf


Wir wünschen Ihnen alles Gute bei der Betreuung betroffener Eltern!


Ihre Eltern aus der *Muschel*


Stand: 3. Juni 2005  21. Januar 2007


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letzte Aktualisierung dieser Seite: 2008-05-29

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© Constanze Tofahrn-Lange, Wangerooge
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