Wartezeit - Warten oder nicht?

Warten oder nicht?


Nach dem Tod unseres ersten Kindes, unseres "Sternchens" (8. SSW, missed abortion), erhielt ich besonders verwirrende Auskünfte, wie lange nach der Ausschabung keine weitere Schwangerschaft eintreten dürfe. Die Angaben reichten von "ein Zyklus" bis hin zu "ein Jahr warten".

Letztlich erschien mir die Erklärung eines Gynäkologen, einen Zyklus sollte man unbedingt abwarten; wenn sich die Gebärmutterschleimhaut noch nicht genügend aufgebaut hätte, trete auch keine neue Schwangerschaft ein, einleuchtend.

Sofort bin ich dann auch nicht wieder schwanger geworden, es dauerte weitere Monate, bis ich wusste, dass ich - mit Christopher - wieder schwanger bin.

Belastend fand ich es schon, keine verbindliche Auskunft bekommen zu können; es war mein Eindruck, dass ich bzw. wir den "Schwarzen Peter" zugeschoben bekamen.

Erst nachdem die Frage für mich nicht mehr so wichtig war, weil unsere Familienplanung abgeschlossen war, fand ich in der BRIGITTE einen Artikel dazu, der sehr viel Mut machen und Schuldgefühle ("zu schnell schwanger geworden, selber schuld am erneuten Verlust") nehmen kann.

Ich habe den Artikel daher hier eingefügt.

Ich hoffe, er gibt Euch ein bisschen Mut.


Medizin:


Warten oder nicht?


Nach einer Fehlgeburt gleich wieder schwanger zu werden, das galt bisher als riskant. Eine Schweizer Studie bringt neue Erkenntnisse


Wenn eine Frau eine Fehlgeburt erlitten hat, sollte sie danach drei Monate lang nicht wieder schwanger werden, empfehlen Frauenärztinnen und -ärzte. In manchen Fällen wird sogar zu einer Pause von sechs Monaten geraten. Medizinisch gesehen sind diese Empfehlungen jedoch überholt.

Eine aktuelle Studie der Universitätsfrauenklinik Zürich, die kürzlich in dem Fachblatt "Journal of Perinatal Medicine" veröffentlicht wurde, hat ergeben:

Nach einer Fehlgeburt liegt das Risiko einer erneuten glücklosen Schwangerschaft bei etwa 20 Prozent - unabhängig davon, wie lange das Paar abgewartet hat.

Die Schweizer Gynäkologen beobachteten zwei Gruppen von Schwangeren, die zuvor eine Fehlgeburt hatten. Die einen waren innerhalb von drei Monaten noch einmal schwanger geworden, bei den anderen lag ein Zeitraum von vier Monaten bis zu einem Jahr dazwischen. In beiden Gruppen kam es bei etwa jeder fünften Frau wieder zu einer Fehlgeburt. Außerdem stellten die Wissenschaftler fest: Unter den Frauen, die vor ihrer Fehlgeburt bereits ein Kind zur Welt gebracht hatten, war die Zahl der erneuten glücklosen Schwangerschaften am geringsten.

Frauenärzte begründen ihre Empfehlung, nach einer Fehlgeburt zunächst einige Monate lang zu verhüten, vor allem damit, dass der Körper die Veränderungen durch die Schwangerschaft (vergrößerte Gebärmutter, hormonelle Umstellung) erst verarbeiten muss.

Das allerdings dauert meist nicht länger als einen Monat. Auch das Argument, eine Frau brauche Zeit, um den Verlust ihres ungeborenen Kindes zu verarbeiten, trifft nicht immer zu: Manche Frauen belastet es erheblich mehr, wenn sie nach einer Fehlgeburt gegen ihren eigentlichen Wunsch verhüten sollen.

Jede Frau kann also selbst entscheiden, ob und wie lange sie nach einer Fehlgeburt mit einer weiteren Schwangerschaft abwarten will.


© BRIGITTE 10/95 vom 3.5.1995



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letzte Aktualisierung dieser Seite: 2007-01-20

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© Constanze Tofahrn-Lange, Wangerooge
1999 - 2007